Unterschiedliche Studiums-Zugangsbestimmungen in den einzelnen Bundesländern und die damit verbundenen juristischen Unsicherheiten führten 1972 zum ersten Numerus-clausus-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Darin wurde die Notwendigkeit der Studienplatzvergabe durch eine überregionale Stelle nach einheitlichen Auswahlkriterien betont. Die Reaktion der Bundesländer war die Gründung der ZVS durch den "Staatsvertrag über die Vergabe von Studienplätzen" am 20.10.1972. Zum ersten Mal angewandt wurde eine einheitliche Regelung zum Wintersemester 1977/78.

    

Faktisch am 1.4., offiziell am 1.5.1973 nahm die ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) ihre Tätigkeit auf. Wenn eine Behörde neu entsteht, braucht sie nicht nur Gebäude und Materialien; sie braucht vor allen Dingen Personal. Die ersten stürmischen Aufbaujahre der ZVS waren gezeichnet von der Suche nach geeignetem Personal, deren Einarbeitung sowie der Suche nach den besten organisatorischen Strukturen.

Als Standort wählte man auf Grund der zentralen Lage innerhalb Deutschlands das Land NRW. Dortmund bot sich zum Einen wegen der guten Verkehrsanbindung an, insbesondere jedoch, da Anfang der 70er Jahre wenig Einrichtungen öffentlichen Interesses vorhanden waren.

Ausgehend von einer kleinen Arbeitsgruppe im nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium kamen die ersten Mitarbeiter/innen der ZVS aus den unterschiedlichsten Bereichen: die Stadt Dortmund stellte einen größeren Anteil der Mannschaft der ersten Stunde; von Bahn, Post und Bundeswehrverwaltung kamen weitere Mitarbeiter.

    

 

 


    

Die notdürftige Unterbringung in verschiedenen Gebäuden erschwerte den reibungslosen Ablauf und den Aufbau der Behörde erheblich. Erster Sitz der ZVS war übrigens in der Karl-Marx-Straße. Planstellen konnten nicht schnell genug besetzt werden. Als Folge waren die Anfangsjahre gezeichnet von massiven Überstunden der Mitarbeiter.

Zu der Zeit standen Fördergelder für die Überbauung von Bahnlinien zur Verfügung. So fiel die Entscheidung leicht, direkt an der Möllerbrücke einen zweckmäßig-nüchternen U-förmigen Neubau zu errichten, der anfangs noch mit dem Autohaus Berke (FIAT Berke) geteilt wurde. Die offizielle Einweihung erfolgte im Oktober 1974.

Nach der Aufbauphase setzte aber schnell eine Konsolidierung ein. Der Einsatz der EDV gehörte schon immer zu den Merkmalen der ZVS. Technologische und organisatorische Maßnahmen ebenso wie der Abbau von Zulassungsbeschränkungen führten seit 1986 zu einem stufenweisen Abbau von Stellen. Heute bearbeiten 140 Mitarbeiter pro Semester 120.000 Bewerbungsunterlagen. Was als Provisorium gedacht war, hat sich zu einem festen Bestandteil der deutschen Bildungslandschaft entwickelt, auch wenn die ZVS immer ein ungeliebtes Kind geblieben ist. Regelmäßig wird die ZVS als Behörde in Frage gestellt.

    

Zweimal im Jahr - jeweils am 15.1. und 15.7. wiederholen sich vor der ZVS die gleichen Szenen: die letzten Nachzügler geben ihre Anträge persönlich ab, weil nicht das Datum des Poststempels, sondern das Eingangsdatum bei der ZVS maßgeblich ist. Und weil früher die Unterlagen komplett vorliegen mussten, war die Beratung der Mitarbeiter bis kurz vor Toresschluss gefragt. Bis 24:00 Uhr haben dann die Büros geöffnet, und spontan entwickelten sich so manche Partys. Die medienwirksamen langen Schlangen vor der ZVS sind heute nicht mehr anzutreffen, weil nun lediglich der Antrag pünktlich vorliegen muss; fehlende Unterlagen können noch vier Wochen lang nachgereicht werden.

Quellen: 25 Jahre ZVS. Festschrift der ZVS 1998
Spiegel Online / Unispiegel 1.5.2003 "Totgesagte leben länger"

 

http://www.zvs.de
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,246803,00.html

© schweinrich.de  Juli  2003
Fotos: Wir danken der Pressestelle der ZVS für die Freigabe der Fotos.